Cord Burchard: Kürzung der Psychotherapeuten-Vergütung trifft Versorgung und Gleichstellung

Zur geplanten Absenkung der Vergütungen für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten ab dem 1. April, erklärt der Generalsekretär der FDP Niedersachsen Dr. Cord Burchard:

Cord Burchard

„Das ist eine gesundheitspolitische Fehlentscheidung mit weitreichenden Konsequenzen. Während der Bedarf an psychotherapeutischer Behandlung kontinuierlich steigt, setzt die Bundesregierung gemeinsam mit den Kostenträgern den Rotstift genau dort an, wo Stabilität und Ausbau notwendig wären. Bereits heute sind lange Wartezeiten auf Therapieplätze Realität – insbesondere im ländlichen Raum Niedersachsens. Die geplante Kürzung droht diese Situation weiter zu verschärfen.

Besonders kritisch zu bewerten sind aktuelle Aussagen des GKV-Spitzenverbandes, wonach die Einkommensmöglichkeiten von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten über denen anderer Fachgruppen lägen. Diese Berechnungen basieren jedoch auf der Annahme vollständig ausgelasteter Praxen und verkennen damit die Versorgungsrealität.

Nach Einschätzung aus Fachkreisen arbeiten über 70 Prozent der Therapeutinnen und Therapeuten in Teilzeit. Zudem sind mehr als 80 Prozent der Beschäftigten in diesem Bereich Frauen. Die geplante Maßnahme trifft somit nicht nur die Versorgung insgesamt, sondern hat auch eine gleichstellungspolitische Dimension.

Wenn ein überwiegend von Frauen geprägter Berufszweig unter Verweis auf theoretische Durchschnittswerte schlechter gestellt wird, ist das ein falsches und rückwärtsgewandtes Signal. Eine moderne Politik muss solche strukturellen Unterschiede berücksichtigen, statt sie zu ignorieren.

Zugleich ist die grundsätzliche Stoßrichtung der Maßnahme zu kritisieren: Leistungsträger der Gesellschaft werden durch Kürzungen belastet, statt gestärkt zu werden. Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur Stabilität unserer Gesellschaft und zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit.

Zur Einordnung: Würde man einem Beschäftigten bei Volkswagen mitteilen, dass er bei gleicher Arbeitszeit 4,5 Prozent weniger Gehalt erhalten soll, wäre die Empörung groß. Genau diese Logik wird nun jedoch auf eine systemrelevante Berufsgruppe angewendet.

Vor dem Hintergrund wachsender Kritik aus Fachkreisen und Medien ist die Bundesregierung gefordert, die geplante Kürzung umgehend zurückzunehmen und stattdessen Maßnahmen zur Stärkung der psychotherapeutischen Versorgung zu ergreifen.

Fazit: Diese Entscheidung ist weder sachlich gerechtfertigt noch gesellschaftlich verantwortbar – und sie sendet ein fatales Signal für die Versorgungssicherheit in Niedersachsen.“